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Was kann der Reiche im Sozialismus kaufen?

„Das Goldene Kalb oder Die Jagd nach der Million“

ist ein satirischer Roman. Er hat die Gier des Menschen nach Geld zum Inhalt und ist zudem ein gutes Beispiel für kritische Texte aus der Zeit der Sowjetunion.

Die Schriftsteller Ilja Ilf (1897–1937) und Jewgeni Petrow (1903–1942) waren als »Ilf und Petrow« berühmt. Sie arbeiteten in den 1920iger Jahren mit Michail Bulgakow und Juri Olescha  zusammen für satirische Zeitungen.

Es war eine Zeit kluger und hervorragender – auch – sozialistischer Satire. Zu den damaligen besten Schriftstellern zählt unbedingt noch Michail Michailowitsch Soschtschenko (1895-1958).

Ilja Ilf und Jewgeni Petrow  erfanden den Superhelden „Ostap Bender„. Das war ein intelligenter, gewitzter und gebildeter Alleskönner, den sie den Beinamen „Großer Kombinator“ gaben.

Dieser Große Kombinator handelt Anfang der 1930er-Jahre im Sowjetureich. Er träumt vom großen Geld zur Erfüllung seines großen Traums. Das will er mit einem großen Coup ergattern. Solche Vorhaben geben im damaligen Land des künftigen Paradieses der Sowjets, zur Zeit des ersten sozialistischen Fünfjahresplanes, jede Menge Konflikte und Stoff für aberwitzige Verwicklungen her. So bekommt dieser Schelmenroman eine schräge Satire. Alle handelnden Personen verstecken sich hinter Masken und spielen Rollen, alles ist doppelbödig, illegal, überall Betrug und Schein. Hinter dem neuen ideologischen Sozialismus-Anstrich lauern die alten Dämonen, die den Menschen umtreiben und zu herzhafter Situationskomik beitragen.

Das Gauner-Team mit Ostap Bender ist in einem der ersten Autos im Land („Antilope Gnu“) auf die Jagd nach dem Millionär Alexander Korejko. Diesen darf es offiziell gar nicht geben, denn er hatte in der frühen Phase des sowjetischen Wirtschaftswunders, der „Neuen Ökonomischen Politik“ (NÖP), über freche Betrugsmanöver Millionen ergaunert. Diese hatte er in der Gepäckaufbewahrung des Bahnhofs in einem Koffer versteckt. Der Millionär selbst lebt aber als kleiner Buchhalter in Odessa  und wartet dort auf bessere Zeiten, in denen er mit seinem großes Geld verprassen könne. Doch Gauner steht gegen Gauner, und Traum gegen Traum: Korejkos schwärmt vom gelobten Rio de Janeiro als sein Maß aller Dinge.

Der Roman ist voller satirisch scharfem Spott über die großen Errungenschaften der Sowjetmacht, wie auch über den sozialistischen Alltag und seine Gefahren.

Und der „Große Kombinator“ kommt im Roman noch an die von einem anderen ergaunerten Million heran. Doch davon hat er nichts in seinem Land, in dem nur das Kollektiv zählt. Er kann nicht einmal ein neues Auto für seinen Freund kaufen, geschweige denn in weißen Hosen auf der Strandpromenade von Rio de Janeiro flanieren.

„Der Traum ist ja gar nicht so wichtig. Seine Ursache muss beseitigt werden. Die Hauptursache ist das Bestehen der Sowjetmacht. Aber die kann ich zurzeit nicht beseitigen. Ich habe einfach die Zeit nicht…“, erklärt er einem anderen im Roman. Ein Versuch der Flucht ins Ausland macht er aber noch …

„Parallel zur großen Welt, in der große Menschen und große Dinge leben, existiert die kleine Welt mit kleinen Menschen und kleinen Dingen… Ihre Bewohner kennen nur ein Streben – irgendwie zu überleben, ohne das Gefühl des Hungers kennenzulernen.“ 

Die Gier nach dem Gelde treibe die Menschen seit biblischen Zeiten offenbar noch stärker.

Der Roman führt den „Tanz ums Goldene Kalb“ gründlich ad absurdum.

Das goldene Kalb oder die Jagd nach der Million: Roman (Die Andere Bibliothek)

  • Gebundene Ausgabe: 450 Seiten
  • Verlag: Die Andere Bibliothek; Auflage: 1 (15. April 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3847703404

 
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