H. W. Opaschowski: Lieber glücklich als reich!

Zukunftsforscher Horst W. Opaschowskis regt die Diskussion zu Reichsein, Reichtum, Wohlstand an.

Er liefert ein Plädoyer für einen erweiterten Wohlstandsbegriff.

Die Wohlstandsgesellschaft der alten Bundesrepublik ist zu Ende.

Wir leben in einer fortgesetzten Krisenwirklichkeit, die unsere Vorstellung von Wohlstand umwälzt.

Ab jetzt gilt: Lieber glücklich als reich!

Horst W. Opaschowskis: Wohlstand neu denken. Wie die nächste Generation leben wird
Gütersloher Verlagshaus, 2. Auflage, 2009 ; ISBN-10: 3579068784

Horst W. Opaschowskis: Deutschland 2030: Wie wir in Zukunft leben, Gütersloher Verlagshaus; 2. Auflage, 2008; ISBN-10: 3579069918

deutschland-2030

Thesen und Prognosen von Opachowski (siehe: www.opaschowski.de)

2010 über massive Verteilungskämpfe

„Im kommenden Jahrzehnt erwartet uns der größte Schuldenberg der Nachkriegsgeschichte. Die Schulden sind geliehen – von der nächsten Generation. Diese Generation hat ein Recht auf Rückzahlung. Massive Verteilungskämpfe sind zu erwarten. Die Kultur wird der Verlierer der Krise sein, wenn nicht die Wirtschaft als Sponsor und Mäzen zu Hilfe kommt.“

2009 über Bau- und Hausgemeinschaften

„Der Gedanke des ‚ganzen Hauses‘ kommt wieder. Für kinder- und enkellose Alleinstehende gibt es zu generationsübergreifenden Bau- und Hausgemeinschaften keine Alternative, wenn sie nicht in einer Gesellschaft des langen Lebens alleingelassen werden wollen. Das Modell Altersheim hat ausgedient.“

2009 über eine neue „Generation V“

„In Deutschland zeichnet sich das Bild einer ‚Generation V‘ ab: Die drei V – Vertrauen, Verantwortung und Verlässlichkeit – sind der soziale Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält. Im gleichen Maß, wie das Vertrauen in die Finanzmärkte, die Wirtschaft und die Politik sinkt, wächst es im mitmenschlichen Bereich.“

2009 über das Ende der Ichlinge

„Das Zeitalter der Ichlinge geht zu Ende. Krisen fördern den Gemeinsinn. Die Menschen rücken in Krisenzeiten enger zusammen. Die Gesellschaft der Zukunft wird eine Gemeinschaft auf Gegenseitigkeit sein.“

2009 über Protestbewegungen gegen gesellschaftlichen Stillstand

„Wenn die Politik jetzt nicht ihrer sozialen Zukunftsverantwortung gerecht wird, also keine Erneuerung wagt und keine überzeugenden Langfristperspektiven in Aussicht stellt, dann droht uns ein zweites 68: Öffentliche Protestbewegungen gegen gesellschaftlichen Stillstand.“

Prof. Dr. Horst W. Opaschowski, geboren 1941,

Zukunftsforscher und Berater für Wirtschaft und Politik, ist Wissenschaftlicher Leiter der BAT Stiftung für Zukunftsfragen (ehemals BAT Freizeit-Forschungsinstitut) in Hamburg.

 „Mr. Zukunft“ (dpa)

 

Glücklich ohne Geld auf Vanuatu

Das Südsee-Inselreich Vanuatu kennt in der westlichen Welt kaum jemand. Die 83 Inseln erscheinen wie ein Paradies, auch wenn die Erde dort recht häufig bebt. Die wenigsten wissen, wie das Finanzsystem auf Vanuatu aussieht. Die Einwohner der Insel Pentecost gelten als die glücklichsten Menschen der Erde, denn sie haben kein Geld. Stattdessen treiben sie Tauschhandel mit Schilfmatten, Muscheln, Korallen, seltenen Steinen und Wildschweinen. Eine Finanz-Bank gibt es dennoch. Auf die wird aber kein Geld eingezahlt, sondern Naturalien. Der eine bringt einen Sack Korallen, der andere schön geformte Steine. Diese werden auf der „Tanbunia“-Bank deponiert und in der Landeswährung Vanuatus, dem „Vatu“, gutgeschrieben. Wieviel die Naturalien wert sind, entnimmt der Bankmanager einer Umrechnungstabelle. Um dann eine Arzt-Rechnung oder Schulgebühren zu bezahlen, stellen die Anwohner, die ein Konto bei der „Tanbunia“-Bank haben, einen Scheck aus, der dann in jeder herkömmlichen Bank eingelöst werden kann. Denn im übrigen Inselreich Vanuatus wird ganz normal mit Geld gehandelt, dennoch akzeptiert und bürgt die Regierung Vanuatus für das Naturalien-Geld. Sogar 80 Prozent der Bewohner nutzen das traditionelle „Tanbunia“-Banksystem. Immerhin gibt es schon 12 Filialen der „Tanbunia“-Bank auf Pentecost, und in ganz Vanuatu 50. Neben Guthabenzinsen vergibt die Bank auch Hypotheken und Kredite.

Jeder auf Vanuatu ist dadurch wohlhabend und fühlt sich reich. Weil das so ist, gibt es keinen Anlass für die Bewohner, zu stehlen oder zu betrügen, weshalb die Türen der Bank auch nachts unverschlossen bleiben. „Jemand wird nur zum Dieb, wenn er nichts hat. Deshalb ist das Ziel unserer Bank, das niemand in Armut lebt“, sagt der Bankchef. Selbst Weisheit wird entlohnt. Wer alt ist und nicht mehr arbeiten kann, der kommt zur Bank und erzählt von seinen Lebenserfahrungen. Auch das wird honoriert, denn für die Bewohner Pentecosts ist ein guter Rat immer wertvoll.

Deshalb sind die Bewohner Vanuatus die glücklichsten Menschen der Welt. Das hat eine britische Studie ergeben, die vor drei Jahren anfing, die glücklichste Bevölkerung der Erde zu ermitteln. Am schlechtesten schnitten die großen Industrienationen ab, darunter die USA (Platz 150 von 178) und China. Deutschland landete auf Platz 81. Spitzenreiter aber wurde Vanuatu, obwohl es gemessen am Bruttosozialprodukt als eines der ärmsten und am wenigsten entwickelten Länder der Erde gilt und weder Rohstoffe, noch eine Industrie oder eine Infrastruktur hat. Wörter wie „Konsum“ oder „Marktwirtschaft“ kommen nicht einmal in der Sprache von Vanuatu vor. Doch die Studie ergab: Je weniger materiell eine Gesellschaft ist, desto zufriedener ist ihre Bevölkerung. Die Bewohner Vanuatus sind vor allem glücklich, weil sie dankbar sind für das, was sie haben. Ihnen sind ihre Familie und ihre Traditionen wichtiger als Besitz. Ihnen ist Lebensqualität und Zufriedenheit wichtiger. Inzwischen interessiert sich auch die UN für die Idee, bedeutsame Wertgegenstände als offizielle Zahlungsmittel anzuerkennen.

mehr Informationen hier: http://www.melanesianportvila.com/vanuatu.html